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Zwetschgen-Törtchen auf TellerWeshalb man die Kirche im Dorf lassen sollte und unser Geld aus Wolkenkuckucksheim kommt.

Nachfolgend eine lose Sammlung olgalogischer Übersetzungen verschiedener Zitate.

 

Zitate aus dem Artikel „Der Offenbarungseid“ im SPIEGEL Nr. 40/2008:

 

Zitat:
“Der amerikanische Turbokapitalismus mit seinem Dreisatz aus billigem Geld, freien Märkten und zweistelligen Gewinnmargen hat im vergangenen Vierteljahrhundert weltweit die wirtschaftlichen Standards gesetzt.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Bei billigem Geld handelt es sich im olgalogischen Sinne um Worte mit wenig Substanz. Um Worte also, die leichtfertig ausgesprochen werden, ohne sie auf ihren Inhalt, ihre Qualität und ihre Angemessenheit überprüft zu haben. Man könnte sie auch als billiges Geschwätz bezeichnen.

Freie Märkte im olgalogischen Sinne sind Kaffeekränzchen, bei denen es keine Gesprächsregeln gibt. Es kann also jeder sagen, was er will. Dies scheint auf den ersten Blick wünschenswert. Bedenkt man jedoch, dass unser verbaler Austausch erst durch erlernte gesellschaftliche Regeln eine zivilisierte Form annimmt, entpuppt sich der Wunsch nach totaler Entgrenzung als Zeitbombe. Denn der völlige Wegfall aller wirtschaftlichen Regeln käme einem Wegfall aller gesellschaftlichen Regeln gleich und damit einem Verlust der Gesprächskultur. Eine Regulierung der Märkte ist also unerlässlich. Jedoch muss diese nicht zwangsläufig durch den Staat erfolgen. Denn auch ethische und moralische Wertmaßstäbe erfüllen eine regulierende Funktion. Allerdings müssten diese dann auch fest in der Gesellschaft verwurzelt sein. Eine Gemeinschaft, die es gelernt hat, sich selbst sinnvolle Grenzen zu setzen, braucht keinen Vater Staat, der alles regelt. Denn sie ist selbst erwachsen genug. So lange sie es allerdings nicht ist, sind die Gesetze von Vater Staat unerlässlich. Allerdings sollte es sich dabei um Gesetze handeln, die der Gemeinschaft zugute kommen.

Wer wünscht sich nicht zweistellige Gewinnmargen? Doch hohe Gewinne können auch problematisch sein, wenn sie mit billigem Geld und freien Märkten erzielt werden. Zur Erklärung: In der zwischenmenschlichen Kommunikation entsteht ein großer Gewinn aus einem starken Selbstwertgefühl einerseits und andererseits aus der hohen Wertschätzung, die mir jemand entgegen bringt. Wenn beides aber das Resultat aus substanzlosem Geschwätz (= billiges Geld) und dem Wegfall aller gesellschaftlichen Regeln (= Freie Märkte) ist, dann ergibt sich daraus ein Kaffeekränzchen, bei dem derjenige die höchste Wertschätzung erhält, der die Klappe am weitesten aufreißt, der gleichzeitig inhaltsleeres Zeug schwätzt und der andere Gesprächspartner nicht respektiert.

Um es in drei Redensarten auszudrücken:

Klappern gehört zum Handwerk. Die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffeln. Frechheit siegt.

Nach dieser Übersetzung des amerikanischen Turbokapitalismus ins Verbalesische stellt sich mir die Frage: Warum müssen wir auf respektlose Dummköpfe und Schreihälse immer wieder reinfallen?

 

Zitat:

„Die Finanzkrise zeigt die reale Schwäche der Weltmacht. Je mehr Geld die hoch verschuldeten USA dafür anlegen müssen, das eigene Wirtschaftssystem zu stabilisieren, desto schwerer fällt es ihnen, die selbst gestellte Aufgabe als Weltpolizei zu lösen.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Die Kommunikationskrise (= Finanzkrise) zeigt die reale Schwäche der Kaffeekränzchen-Chefin (= Weltmacht). Je mehr Worte (= Geld) die schuldbeladene (= hoch verschuldete) Kaffeekränzchen-Chefin (= USA) investieren muss, ihr eigenes Gesprächsverhalten (= Wirtschaftssystem) zu verteidigen (= stabilisieren), desto schwerer fällt es ihr, ihre selbst gestellte Aufgabe als Kaffeekränzchen-Ordnungshüterin (= Weltpolizei) zu lösen.

Die Gründe sind klar: Wer sein eigenes Verhalten verteidigen muss, weil dieses in Frage gestellt wird, dem dürfte es schwerer fallen, seine eigenen Regeln durchzusetzen als jemandem, dessen Verhalten voll und ganz akzeptiert wird.

 

Zitat:

„Peking finanziert schon heute einen Großteil des riesigen amerikanischen Handelsdefizits und liefert den USA gleichzeitig viele Konsumgüter, verdient also gleich zweimal an der Schwäche der USA.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Ein Handelsdefizit entsteht, wenn die Einnahmen aus dem Export kleiner sind als die Ausgaben für den Import. Ins Olgalogische übersetzt:

Die Wertschätzung durch andere für das, was ich sage, ist im Vergleich zur meiner Wertschätzung für das, was ich von anderen bekomme, relativ gering.

Dies kann verschiedene Ursachen haben. Wenn man jedoch bei den USA von einer Nation ausgeht, die sehr viel möglichst günstig importiert, aber wenig, jedoch relativ hochpreisig exportiert, dann ergibt sich in der olgalogischen Übersetzung eine Person, die sehr viele wertvolle Informationen von anderen aufnimmt, doch dafür wenig Anerkennung gibt und die selbst nur wenige wertvolle Informationen zu bieten hat, jedoch für diese eine relativ hohe Anerkennung fordert. Die daraus resultierende Unausgewogenheit macht sich als olgalogisches Handelsdefizitbemerkbar (= Mangel an geistig-emotionaler Substanz – trotz Aufnahme großer Informationsmengen!!!). Dieses Defizit kann man eine zeitlang überspielen (USA) und man kann eine zeitlang darüber hinwegsehen (andere Kaffeekränzchenteilnehmer). Mitunter findet sich auch jemand, mit dessen Hilfe man seinen Mangel zu einem großen Teil ausgleichen kann (Peking). Diese Symbiose trifft man ja auch oft in partnerschaftlichen Beziehungen.

Wenn ich aber – wie Peking – die Schwäche eines anderen (USA) kompensiere (= Handelsdefizit finanziere) und ihm gleichzeitig viele wertvolle Informationen zukommen lasse (= Konsumgüter liefere), dann steht dieser andere (USA) doppelt in meiner Schuld (= Schulden). Er hat sich sozusagen selbst verkauft. Die Fragen, die sich in diesem Fall stellen, sind:

Ist er bereit, seine Schuld zu begleichen? Kann er sie begleichen? Auf welche Art wird er sie begleichen?

 

Zitat:

„Was folgte war ein lang anhaltender Wirtschaftsaufschwung. Vorangetrieben wurde er nicht zuletzt durch eine aggressive Politik des billigen Geldes, für die eine zweite Ikone der amerikanischen Wirtschaftsblüte verantwortlich war: Alan Greenspan.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Wenn die Wirtschaft aufgrund billigen Geldes floriert, dann entspricht dies im olgalogischen Sinne einem regen Austausch von oberflächlichem, seichtem Geschwätz. Dass viele Klatschtanten daraus auch einen hohen geistig-emotionalen Gewinn schöpfen können, steht außer Zweifel. Dass dieser Gewinn allerdings irgendwann einmal rückblickend als äußerst zweifelhaft erlebt wird, sollte mit einkalkuliert werden.

 

Zitat:

„Genährt mit billigem Geld und befreit von den meisten Regularien erlebte die amerikanische Finanzindustrie eine beispiellose Blütephase, deren exzessives Wachstum sich nicht nur in maßlosen Gehältern und protzigen Bürotürmen ausdrückte, sondern auch im Abzug eines Großteils der amerikanischen Wertschöpfung.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Klar. Eine Klatschtante, die überwiegend seichtes Geschwätz produziert (= billiges Geld) und ihrem Mundwerk selbst keine Grenzen setzt (= keine Regularien), ist kaum geeignet, durch eigene Leistung wertvolles Gedankengut (= Wertschöpfung) hervorzubringen.

 

Zitat:

„Die Finanzindustrie vor allem in den USA wird beträchtlich schrumpfen, das Gewicht der realen Wirtschaft deutlich zunehmen.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Im olgalogischen Sinne unterscheidet sich die Finanzindustrie von der realen Wirtschaft dadurch, dass sie eine Selbstwertsteigerung (= Wertzuwachs) alleine mithilfe des geschickten Gebrauchs von Worten erzielen möchte (= Finanzindustrie) und nicht durch das Erarbeiten und Aussprechen von geistigen Inhalten (= reale Wirtschaft). Im olgalogischen Sinn ist also die Finanzindustrie vergleichbar mit der Werbebranche (Finanzindustrie = Werbebranche). Doch eine Kommunikation, die ausschließlich auf Manipulation gerichtet ist, verliert die Realität aus dem Auge -so wie es auch in der Werbung zu beobachten ist. Das Bild, das von den Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen vermittelt wird, hat kaum mehr etwas mit der Realität zu tun. Es koppelt sich von der Wirklichkeit ab.

Wenn also die Finanzindustrie nun zugunsten der realen Wirtschaft schrumpfen soll, dann zielt dies im olgalogischen Sinne auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Schein und Sein.

Eines sollte jedoch klar sein: Ganz ohne Schein wird auch das Sein nicht auskommen. Denn die Realitäten von heute sind die Illusionen von morgen.

Apropos Illusionen: Da die Geldmengen, die zur Zeit vernichtet werden, aufgrund von Spekulation entstanden und nicht durch reale Güter gedeckt sind, sind sie im olgalogischen Sinne, nichts weiter als Illusionen. Es werden also Illusionen vernichtet. Das kann sehr schmerzhaft sein. Doch es bringt uns zu dem zurück, was wir wirklich sind.

 

Zitat aus der Süddeutschen Zeitung Nr. 229/2008 „Der Markt muss der Gesellschaft dienen“:

„Der frühere Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, hat dies einmal auf den Punkt gebracht: Früher war der Dorf- und Marktplatz von Kirche, Rathaus, Schule und Krankenhaus umgeben. Ohne diese gesellschaftlichen Einrichtungen hätte es also keinen Markt gegeben. Dies gilt auch für die globalen Finanzmärkte von heute.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Der Marktplatz im olgalogischen Sinn ist vergleichbar einer Gesprächsgruppe – also dem Kaffeekränzchen. Damit sich bei diesem Kaffeekränzchen ein für alle Gewinn bringender Austausch entwickeln kann, sind folgende Eigenschaften unerlässlich:

Die Fähigkeit zur Kontrolle (Steuerung) der eigenen Kommunikation (= Rathaus).

Die Orientierung an ethischen Maßstäben bzw. gesellschaftlichen Normen (= Kirche).

Die Offenheit für neue Informationen bzw. neues Wissen (= Schule).

Und die Fähigkeit, Gesprächsstörungen zu erkennen und zu beseitigen (= Krankenhaus).

Betrachtet man die derzeitige Finanzkrise, könnte man zu dem Schluss kommen:

Dem Marktplatz der letzten Jahrzehnte müssen wohl Kirche, Rathaus, Schule und Krankenhaus abhanden gekommen sein. Oder umgekehrt: Kirche, Rathaus, Schule und Krankenhaus ist der Marktplatz abhanden gekommen. Vermutlich landete er in Wolkenkuckucksheim.

 

Zitat aus DIE ZEIT Nr. 39/2008 „Hurrikan Lehmann“:

„Als sicher gilt, dass die ganze Branche am Ende viel strengeren Regeln unterworfen sein wird, mit dem Ziel, den Finanzkapitalismus künftig vor seinen eigenen Exzessen zu bewahren. Hinter den Kulissen, in nationalen Behörden und internationalen Gremien, wird bereits an Regeln für eine neue Finanzwelt gefeilt. Der angelsächsische Finanzkapitalismus in seiner bisherigen Form ist am Ende. Ob dabei ein für die Bürger akzeptables System entsteht, hängt aber nicht von Moralappellen ab. Es sind scheinbar technische Reformen, die darüber entscheiden, ob Ehrgeiz und Gier künftig im Sinne des Gemeinwohls eingesetzt werden oder nicht.“

 

Olgalogische Übersetzung:

Das Kaffeekränzchen (= Weltwirtschaft) soll also neue Gesprächsregeln (= neue Wirtschaftsordnung) bekommen. Doch diese sollen nicht auf ethisch-moralischen Wertmaßstäben fußen, sondern auf technischen Reformen. Was auch immer darunter zu verstehen sein wird, eines dürfte klar sein: Die Steuerung des Systems soll hier auf irgendeine Art von Technik übertragen werden. Das heißt, der Kaffeekränzchenteilnehmer gibt seine Eigenverantwortung sowie die Möglichkeit seiner Einflussnahme ab an eine Elite, die mit der Technik der Systemsteuerung vertraut ist. Vermutlich mit denselben Folgen, wie wir sie heute aus der Bankenkrise kennen.

Der Glaube, technische Reformen könnten moralische oder ethische Wertmaßstäbe ersetzen, ist naiv und gefährlich. Denn wer sich darauf verlässt, gibt die Verantwortung für das eigene Handeln in die Hände derer, die die technischen Prozesse steuern. Und dass diese ohne moralische oder ethische Wertmaßstäbe im Sinne des Gemeinwohls handeln, ist mehr als unwahrscheinlich. Und geradezu ausgeschlossen erscheint es mir, dass Ehrgeiz und Gier im Sinne des Gemeinwohls eingesetzt werden könnten. Denn beides -Ehrgeiz und Gier - ist immer auf den persönlichen Nutzen ausgerichtet und nicht auf das Gemeinwohl. Vielmehr dürfte es so sein, dass mit der beschriebenen Neuordnung ohne ethisch-moralische Basis der Grundstein gelegt wird für die weitere Ausbeutung der Massen sowie für das künftige Scheitern dieser Wirtschaftsordnung. Dies dürfte wohl spätestens etwa im Jahre 2160 der Fall sein.

 

Die Spiegel-Zitate wurden entnommen aus „Der Offenbarungseid“ im SPIEGEL Nr. 40/2008 von Beat Balzli, Klaus Brinkbäumer, Frank Hornig, Hans Hoyng, Armin Mahler, Alexander Neubacher, Wolfgang Reuter, Christoph Pauly und Michael Sauga.

 

Das SZ-Zitat wurde entnommen aus „Der Markt muss der Gesellschaft dienen“ in der Süddeutschen Zeitung Nr. 229/2008 von Friedhelm Hengsbach.

 

Das Zeit-Zitat wurde entnommen aus „Hurrikan Lehmann“ in DIE ZEIT Nr. 39/2008 von Heike Buchter, Mark Schieritz und Arne Storn.